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Galerie der Kunststiftung K52

Joachimstraße 17 / Ecke Auguststraße
10119 Berlin

Bis Ende November 2018 ist die Galerie
C&K in diesen Räumen präsent.







IM WORTLAUT


Dr. Peter Plieninger und Nicolaus Schmidt haben Werner Baumann, Vorstandsvorsitzender der Bayer AG, gebeten, die Bronzestatue 'Mars' des Bildhauers Giambologna (1529 - 1608) als Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 der Staatlichen Kunstsammlung Dresden zu schenken.


Die Briefe im Wortlaut:


Berlin, 29.06.2018

An den Vorsitzenden des Vorstands der BAYER AG Herrn Werner Baumann

Kaiser-Wilhelm-Allee 1
51373 Leverkusen

Sehr geehrter Herr Baumann,

die Bayer AG hat die Statuette Mars des Bildhauers Giovanni Bologna („Giambologna“), die der Bayer AG 1988 von Walter Jacobi geschenkt worden ist, zur Auktion am 3. Juli 2018 bei Sotheby’s eingereicht.

Mit diesem Brief, den wir in Kopie an die Staatliche Kunstsammlung Dresden und die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Deutschlandradio Kultur, die Süddeutsche Zeitung sowie dpa senden, möchten wir Sie bitten, in Ihrer Eigenschaft als Vorstandsvorsitzender diese Einreichung zu stornieren und stattdessen die Statuette als Beitrag der Bayer AG zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 nach Dresden zu geben, wo sie sich 300 Jahre lang befand.

Die Bayer AG will nicht allein eine gewinnorientierte Aktiengesellschaft sein, sondern spricht selbst von einer gesellschaftlichen Verantwortung, die Unternehmen von der Größe Bayers tragen. Mit einer großzügigen Übergabe der Statuette an die Staatliche Kunstsammlung Dresden würden Sie ein entsprechendes Zeichen setzen.


Mit besten Grüßen

Nicolaus Schmidt, Historiker und Künstler, Berlin
Dr. Peter Plieninger, Chemiker, Berlin




Sehr geehrter Herr Baumann,

die Bayer AG ist eines der Nachfolgeunternehmen der I.G. Farben, deren durchaus auch problematische Geschichte bekannt ist. Mein Urgroßvater, Theodor Plieninger, leitete 1925 die Verhandlungen zur Gründung der I. G. Farben, er war von 1925 bis zu seinem Tod 1930 Mitglied des Aufsichtsrats. Schon seit 1898 war er Generaldirektor der Griesheim-Elektron AG. In dieser Eigenschaft hat er 1927 die kleine Statuette Giambolognas für die Griesheim-Elektron AG erworben. Sie war ursprünglich dem sächsischen Kurfürsten Christian I. vom Künstler selbst 1587 geschenkt worden und bildete mit drei anderen Kleinbronzen eine Gruppe, die zu den wichtigsten Kunstwerken der kurfürstlichen Kunstkammer in Dresden gehörte. Im Zuge der „Fürstenabfindung“ wurde die Statuette 1924 aus diesem Zusammenhang herausgerissen und dem Hause Wettin als Teil der Abfindung überlassen. Deren Familienverein bot wenige Jahre später die Bronze zum Verkauf an, und Theodor Plieninger war der Käufer. Er hat sich damals vermutlich allein von der künstlerischen Ausstrahlung her für den Kauf des „Mars“ entschieden. Es ist zu vermuten, dass er die Provenienzgeschichte nicht kannte.

Die Griesheim-Elektron AG schenkte die Statuette dem Vorstandsmitglied Constantin Jacobi anlässlich eines Jubiläums, dieser vererbte sie an seinen Sohn Walter Jacobi. In der Schenkung Walter Jacobis an die Bayer AG hieß es, dass die Statuette „in einem repräsentativen Bereich des Unternehmens zu zeigen“ sei.

Die Bayer AG ist ein Chemieunternehmen von Weltrang. Sie trägt damit eine große Verantwortung. Theodor Plieninger, der in der 330-jährigen Geschichte der Statuette der einzige war, der sie über einen Kauf erworben hatte, hat Zeit seines Lebens über die unternehmerische hinaus auch eine gesellschaftliche Verantwortung wahrgenommen. So war er an den Waffenstillstandsverhandlungen in Compiègne beteiligt, um den fürchterlichen Ersten Weltkrieg zu beenden.

Ich bin mir sicher, dass Theodor Plieninger in der heutigen Situation eine Entscheidung zugunsten der öffentlichen Museen treffen würde. Er hatte den Kauf nicht als Firmeninvestment unternommen, genau wie die Bayer AG die Statuette nicht erworben, sondern als Geschenk bekommen hat. Ein solches Geschenk, noch dazu mit einer Auflage verbunden, muss und darf nicht im Sinne des Shareholder-Value, wie dies die Pressestelle der Bayer AG darstellt, verwertet werden.

Ich selbst bin Chemiker und stamme väter- wie mütterlicherseits aus einer Familie von Chemikern und Unternehmern. Unter vielen Plieningers und Freudenbergs war und ist es Praxis, das eigene Handeln und die Praxis des Unternehmens unter eine soziale wie auch kulturelle Verantwortung zu stellen.

Ich möchte Sie, auch im Einverständnis meiner Brüder, Thomas und Matthias Plieninger, bitten, den Verkauf der Statuette „Mars“ abzusagen und wie schon im ersten Brief erwähnt als Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 der Bayer AG der Staatlichen Kunstsammlung Dresden als Schenkung zu vermachen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Peter Plieninger, Winterfeldtstr. 25, 10781 Berlin

Berlin, 29.06.2018


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